Sport-Kultur versus Musik-Kultur

Neulich wurde mir der Unterschied von Sport- versus Musik-Machen deutlich.

Ohne Zweifel ist Sport eine sehr gute Methode auf die Vielzahl der Schulbank- oder Schreibtischgepeinigten, um sich endlich mal auszupowern.
Aber geht es nicht um mehr als um bloßes Auspowern?

Obwohl in relativ ruhiger, kontinuierlich sitzender oder stehender Haltung, kann Musik-Machen so vieles: ausgleichen, zentrieren und zugleich zutiefst (im Innersten) aufrütteln und bewegen. Nebenbei gesagt ist die Ausübung auch gar nicht anders möglich, als ausgeglichen und konzentriert.
Suma sumarum stellte ich fest: "Music-making can make you smart & happy."
Denn zahlreiche Studien haben bewiesen, Musizieren stimuliert sämtliche Hirnregionen wie keine andere Tätigkeit.

Und doch erlebe ich in der Praxis, dass Kinder trotz z.B. anspruchsvoller Schulverpflichtungen zu mehren Sportkursen pro Woche gehen, es dagegen zu nur einem Termin wöchentlich zum Musikunterricht schaffen, obwohl selbst freizeitmässig ein Instrument zu lernen vergleichsweise schwieriger ist, als eine Sportart und mehr Zeit dafür den Erfolg beträchtlich verbessern würde.
Eine Tatsache, die mich weitgehend nachdenklich stimmt.

Bei einer Disziplin wie Sport oder der eines Instrumentes ist es eine Tatsache, dass ausschliesslich allein für sich zu spielen kaum einen nachhaltigen Effekt
auf das Ausüben hat. Im Gegenteil. Das Allein-für-sich-Spielen kann auf Dauer die Motivation und die Lust am Spiel sogar komplett abflauen lassen.

In den Sportkursen von Kindern und Jugendlichen ist das Problem des Einsamen-vor-sich-hin-Sportelns ja wenig gängig. Wie selbstverständlich machen die Kinder zusammen mit anderen Kindern/Jugendlichen Fussball, Baseball, Tennis, Tanz, Schwimmen etc. Einzelstunden kommen eigentlich erst dann hinzu,
wenn es um eine besonders ambitionierte Leistungssteigerung geht.
Automatisch ergibt sich durch das gemeinsame Spiel eine lebendige, soziale Ebene und Dynamik; Konkurrenz heizt die Motivation zusätzlich an.
Im Vergleich dazu ist ja der Anfangsprozess beim Erlernen eines Instrumentes ein anderer.
Im Unterschied zu den meisten Sportaktivitäten beginnt der Schüler beim Musikunterricht mit Einzelunterricht.
Elementarer Instrumental-Unterricht geht leider (meistens anders als bei Sport) zunächst nur im Einzelunterricht, da die erforderliche Feinmotorik
sonst nicht zu erwerben ist.

Doch nach den ersten Schritten beim Musikunterricht scheitern viele Schüler oft bei der zweiten Hürde, sich nämlich mit einer Musikgruppe sei es im Duo, Ensemble, Orchester o.ä. zusammenzutun, damit die Sache lebendig bleibt...
Eher spärlich werden Kontaktmöglichkeiten, zusammen mit anderen Musik zu machen, wahrgenommen.
Möglicherweise, weil man denkt, man wäre nicht gut genug?
Dabei schleicht sich mir noch ein anderer Gedanke ein zum Mehrwert der Musik:
Im Gegesatz zu den meisten Sportvereinen geht es beim Musik-Machen als Freizeitbeschäftigung weniger darum, der Erste, der Beste zu sein,
sondern um das Erleben im Moment.
Auch dies geht am besten in einer Gruppe sozusagen im "Musik-Team".
Aber der Realisierungsgedanke, das Kind zum gemeinsamen Musik-Machen zu ermutigen oder in einem Ensemble anzumelden, scheint vielen beruflich äusserst eingespannten Eltern vielleicht zu schwer zu organisieren.

Dabei ist es gar nicht schwer. Nicht notwenigerweise über das schuleigene Ensemble der Musik- und Kunstschule Westend -
auch ausserhalb eines Musikschulangebots gibt es Möglichkeiten, mit einem Freund, Bekannten, Familienmitglied Musik zu machen oder die Teilnahme in Bands in der Schule - vieles meist leichter realisierbar als gedacht.

Natalia Greger - Leitung Musik- und Kunstschule Westend




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